Mittelbayrische Zeitung

Mittelbayrische Zeitung

Geschrieben am 13.11.2019
von Jochen Dannenberg


Gig|Konferenz 2019

Kirche muss Sprache des Volkes sprechen

Quelle: Mittelbayerische Zeitung vom 13.11.19 

 

Die Situation der katholischen Kirche betrübt viele Christen.

In Bad Gögging suchten 400 Gläubige einen Ausweg aus der Krise.

Von Jochen Dannenberg

13. November 2019

05:56 Uhr

 

„Wir bewegen uns in Deutschland, als würden wir fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen,

als hätten wir was verbrochen“, stellte der Pater fest, der etliche Jahre in der Bronx

in New York gearbeitet hatte. „Die Leute sind traurig, obwohl es uns gut geht.“

Dafür brauche es auch in der Kirche eine Portion Humor.

Und es müsse weiter evangelisiert werden, aber die Methoden müssten sich ändern.

„Vielleicht ist es deshalb ganz gut, wenn die Kirche an einen Ort geht, wo sich die

Leute wohl fühlen.“ Womit er nicht nur den Kurort, sondern auch das Hotel The Monarch

meinte, in dem die Konferenz stattfand.

Mehr Teilnehmer als erwartet

 

Das Interesse an der Gig (Gott ist gut)-Konferenz war groß, so groß, dass auch die 38 Euro,

 die die Teilnahme an der eintägigen Veranstaltung kostete, nicht abschreckte.

400 Gäubige kamen zu der Konferenz teil, die deutschlandweit zum ersten Mal stattfand.

„Es nehmen viel mehr Gläubige an der Konferenz teil, als wir erwartet haben“,

sagte Georg Feßlmeier aus Eining, einer der Organisatoren.

 

 

 

 

KOMMENTAR

Es braucht mehr

Pater Paulus hat Recht. Die Kirche muss die Sprache der Menschen auf der Straße sprechen.

Das ist ein wichtiger Ansatz, um die derzeitige Krise zu überwinden....

 

 

Möglicherweise hängt das Interesse mit dem Misstrauen zusamen,

mit dem viele Gläubige derzeit ihrer Kirche gegenüber stehen.

„Die Zahl der Kirchenaustritte ist deutlich, das bringt die Oberen zum Schwitzen“,

 meinte eine Frau im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Ein Mann sagte:

„Wie sich unsere Kirche bei den Missbaruchsfällen verhalten hat - so geht‘s auch nicht.“

Andere betonten, dass es für sie an erster Stelle der Glauben stehe. Der Tenor:

„Es ist schön zu glauben. Es ist auch schön, den Glauben gemeinsam zu leben,

zu beten und zu feiern.“ Auch darum ging es an diesem Samstag in Bad Gögging.

 

Beichte neben dem Pool

Und während sich gleich neben dem Kongresszentrum Menschen im Pool badeten,

wurde ein paar Meter entfernt die Beichte abgenommen und mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

die Heilige Messe gefeiert. Davor und danach ging es aber auch um ganz praktische Tipps

für das Leben als Christ im 21.Jahrhundert.

Denn darum ging es: Dass Menschen über ihren Glauben sprechen und von ihren eigenen Erfahrungen

 erzählen, wie für sie Gott im Alltag wirkt.

 

 

So berichtete Bernhard Thoma, 2. Vorsitzender der „Kirche für den Osten“:

„Wir unterstützen weltweit Diasporapfarreien,

damit eine lebvendige Kirchengemeinde entstehen kann.“ Die Erfahrung habe gezeigt,

dass eine Kirche nie für sich alleine steht. „Darum“, so Bernhrad Thoma,

„unterstützen wir Jugendliche in Ausbildungsprogrammen wie z.b. einer Ausbildungsschreinerei.“

 

 

Vor zu großen Hoffnungen gewarnt

Deutliche Worte gab es von Eugen Eleganti, Weihbischof von Chur (Schweiz).

Er stellte einerseits fest, dass der Glauben helfe, das Leben, so zu nehmen, wie es ist.

Andererseits rief er den Gläubigen zu: „Du musst nicht tun, was Dir nicht einleuchtet.“

Zugleich warnte er bei allem Reformwillen vor Aktionismus und forderte zu Demut auf.

Es gebe immer unterschiedliche Meinungen, sagte der Weihbischof. „Glaubwürdig“, betonte er,

 „waren immer die Heiligen, aber das kann auch im Stillen sein.“ Es sei die Gnade Gottes,

die die Welt aus den Angeln hebe. „Nur der Herr bestätigt meine Glaubwürdigkeit.

Die Früchte bestätigen die Glaubwürdigkeit des Baumes, aber nicht der Jubel.“

 

Der Schweizer Weihbischof Eugen Eleganti betonte, dass der Glauben hilft,

das Leben zu meistern. Er sagte aber auch: "Du musst nicht tun, was Dir nicht einleuchtet."

 

Frauen an die Macht?

Weihbischof Eleganti warnte vor übertriebenen Hoffnungen.

„Auch sie sind Sünder“, sagte er und gab damit eine sehr theologische Antwort.

Man müsse aufpassen. Wer nach der Macht strebe, sei oft nur eine „lärmende Pauke“.

Es dürfe nie nur um Macht gehen. Sein Wunsch: Alle Menschen sollten miteinander sprechen

und vorher beten, „vielleicht eine ganze Woche lang“. Das könne die Demut schaffen,

um die Zukunft zu meistern.

 

Den Menschen auf der Straße nahe

Es brauche Orientierung, bekannte Pater Paulus.

Das bedeute selbstverständlich, dass die moralischen Grundsätze des Christentums

erhalten blieben. „Es braucht aber auch eine Sprache,

die den Menschen auf der Straße nahe ist“, betonte der Pater.

 

 

 

Die Konferenz

Veranstalter:

Bei der Gig-Konferenz haben die Initiative Ostwind 3000 e.V. , Jugend 2000,

das Katholische Evangelisationswerk und Radio Horeb zusammengearbeitet.

 

 

Idee:

Initiator ist Pater Paulus-Maria Tautz CFR.

Er gehört zur Gemeinschaft der Franziskaner der Erneuerung,

die vor allem in den USA aktiv ist. Er hat lange in Amerika gelebt und ist überzeugt,